"Vom Klettergarten in die Berge": Kletterkurs der Sektion Leipzig, 04.-07.09.2008
Donnerstag
Nach einer ruhigen Fahrt aus dem Raum München kamen wir 10:15 Uhr an der Seilbahn vom Gimpelhaus an. Die schweren Rücksäcke in die Materialseilbahn und um 10:30Uhr ging es los. Eine Stunde später nahmen wir die Rucksäcke am Gimpelhaus auf und gingen weiter zur Tannheimer Hütte.
Kurze Pause, Rucksäcke auspacken und schon waren Rainer und Manuel auf der Hütte. Kurze Besprechung über den weiteren Tagesablauf und dann ging es auf Tour. Am Schäfer (Kleiner Gimpel) wartete die Route Svenja auf uns. Sechs Seillängen, davon vier mit Stellen im Grad V- und V.
Wir kletterten in 2 Zweierseilschaften. Vorneweg Manuel und Rainer, hinten Elke und ich. Manuel hatte das "schlechteste" Los, er musste ständig vorsteigen, damit Rainer uns etwas beobachten konnte. Elke und ich kletterten überschlagend.
Es war eine schöne Route, Teils durch die Botanik. Dann war schnelles abseilen angesagt, ein Gewitter war im Anzug. Nach der ersten Abseilstrecke kam es, wie es kommen musste, einmal nicht aufgepasst und schon war mein ATC-Guide weg. Ich schwör euch, dass passiert mir nie nie nie mehr wieder. Zwei Seillängen ging es gut, in der Dritten fing es zum Regnen und Hageln an. Es war, Gott sei dank, die Letzte. Aber auch das war ein wichtiges Erleben, in der Situation trotzdem konzentriert zu arbeiten. Wir standen nun am Wandfuß und seilten uns zur Sicherheit die knapp 20 m bis zum Wanderweg durch gemischtes Gras- Felsgelände ab.
Tropfnass, glücklich, Zufrieden und hungrig kamen wir auf der Hütte an. Noch schnell trockenes anziehen und dann ging es ab, Petras Küche zu genießen.
(Walter G. Möhrle)

Dieses wunderschöne Fleckerl Erde beheimatet uns 5 in bester Weise


Noch ist Traumwetter

Gipfel SIEG! Berg HEIL!

Die kleinen weißen Teile sind Hagelkörner

Hier ist es wieder schön warm
Freitag
Nach einer geruhsamen Nacht im neuen Winterraum der wirklich super-urigen Tannheimer Hütte und einem wirklich fürstlichen Frühstück, brachen wir erneut zum Einstieg der Route "Svenja" am Schäfer auf. Die ersten zwei Seillängen waren für's erste angesagt. Dabei durften wir das künstliche Klettern probieren. Da wir am Vortag wegen eines wirklich extrem schnell herannahenden und heftigen Gewitters mit wachtelei-grossen Hagelkörnen einen sehr schnellen Rückzug hatten antreten müssen, mussten wir an der letzten Abseilstelle einen Karabiner und eine Bandschlinge zurücklassen. Außerdem hatte Walter bei der schnellen Abseilaktion versehentlich seinen ATC-Guide in die Wand geworfen.
Also ging es zunächst mal rauf, um das Material aus der Wand zu holen. Nachdem wir alle am 2. Stand angelangt waren und das Material "geborgen" war, seilten wir uns wieder zum Einstieg ab, Abseilen will ja auch geübt sein -.Abseilen über Route mit Sicherung. (falls die Abseilstelle nicht hält)
Am Einstiegsstandplatz bauten wir unter Lampi's perfekter Anleitung einen Flaschenzug mit Gardaschlingen und simulierten damit die Bergung eines im Nachstieg Gestürzten. Während dieser Übung kam Christian am Schäfer an, der uns ab nun als ein hilfreicher und erfahrener Kursteilnehmer zur Seite stand.
Nachdem alle den Flaschenzug einmal aufgebaut hatten, und mittlerweile reichlich durchfroren waren, da das Wetter langsam immer schlechter wurde und es das Nieseln anfing, traten wir den Abstieg zur Hütte an.
Auf dem Weg unter der großen Rinne des Schäfers, wo ein großes Schuttfeld gekreuzt wurde, vermuteten Lampi und Walter den am letzten Tag versemmelten ATC. Ich hatte nicht damit gerechnet, das man den über 100 m abgestürzten ATC wiederfinden könnte. Allerdings belehrte mich Elke eines Besseren, und fand den verschollenen ATC tatsächlich, nahe vom Steig auf der Schuttreiße.
Nach diesem erfolgreichen Tag, ließen wir es uns auf der Hütte so richtig gut gehen.
Am Abend bauten wir dann noch Standplätze im Lager und simulierten überschlagend Klettern. Dies sollte dann am kommenden Tag in der Route "Till Ann" an der Zwerchwand umgesetzt werden.
(Manuel McMüller)

Wir bauen einen Flaschenzug
Samstag
Der Samstag sollte der letzte einigermaßen schöne Tag werden. Also war wieder eine Klettertour angesagt - die "Till Ann". Acht Seillängen, die sechste Seillänge war mit dem 5-ten Grad die schwerste.
Zu sechst waren wir, Manuel, Elke (ich), Jürgen, Rainer, Walter und Christian. Wir bildeten drei Zweierseilschaften und kletterten in Reihenfolgen der Namen oben.
Christian stieg in die Wand und wurde von mir gesichert. Nachdem er den Stand gemacht und das Seil eingezogen hatte, rief er "Elke nachkommen" und schon ging es los. Als ich bei ihm war, übernahm ich sein restliches Material und kletterte weiter. Am 2-ten Stand angekommen, sicherte ich mich, baute den Standplatz auf und rief dann "Manuel Stand". Manuel rief "Elke seilfrei" und ich zog das Seil hoch, nahm ihn in meine Sicherung (Körpersicherung mit Umlenkkarabiner am Stand) und rief "Manuel nachkommen". Manuel kletterte zu mir und übernahm das restliche Material. So kletterten wir überschlagend die acht Seillängen.
Jürgen und Rainer, Walter und Christian folgten uns - wobei Rainer mal bei Walter und Christian, mal bei uns schaute, wie wir uns anstellen. Das klettern ging recht zügig, es war auch gut so, denn das Nebelnässen wurde immer stärker und so ab der siebenten Seillänge wurde der Fels schon etwas nass.
Ganz oben versammelten wir uns am letzten Stand und warteten nur noch auf Walter, er kletterte in der letzten Seillänge im Nachstieg. Er brauchte die letzten Meter nicht mehr zu uns kommen, sondern er wurde westlich (gesichert durch Christian) geschickt, um die Abseilstelle zu suchen. Nach kurzer Zeit hat es sie gefunden, sich und das Seil gesichert. Dann folgten ihm Rainer, Jürgen und Manuel. An der Abseilstelle ging es etwas eng zu und so mussten Christian und ich noch etwas warten.
Rainer richtete die erste ca. 25 m Abseilstelle ein und schickte Jürgen vor. Mit einem einzigen 60 m Halbseil machte er noch eine Abseilstrecke und schickte Walter vor. Jetzt durfte auch ich den hang Queren und zur Abseilstelle kommen. Diese Abseilstrecke war echt stark, erst kam eine kurze Kuppe, dann wurde es senkrecht und die letzten ca. 15 Hm ging es frei hängend an einem starken Überhang runter. Nach Walter durfte ich mich abseilen, es war ein Wahnsinns Gefühl. Walter übergab mit das Seil zur Kameradensicherung und machte von Manuel, Christian und Rainer im Überhang Fotos.
Inzwischen richtete Jürgen die nächste Abseilstrecke ein und machte da den Vorstieg. Irgendwie fand er aber den richtigen Standplatz nicht, Rainer folgte ihm und sie fanden einen Abseilring etwas weiter westlich. Wie es sich später herausstellte, kamen wir so auf die daneben liegende Abseilstrecke. Das war aber egal, fing es doch inzwischen etwas zu regnen an. Es folgten weiter zwei Abseilstrecken mit 45 und 30 m. Es wurde immer feuchter und ungemütlicher. Sicher kamen wir alle auf dem Pfad an.
Mit unseren Kletterschuhen gingen wir noch schnell zum Einstieg zum umziehen. Vom Felsen, den wir hochgeklettert sind, lief bereits das Regenwasser runter - ein Einstieg jetzt wäre unmöglich gewesen. Wir traten den Rückweg zur Hütte an und kamen dabei nur wenige Meter an einem Gamsrudel vorbei, sie schauten uns nur mit einem bedauerlichen Blick an und grasten ungeniert weiter. Auf der Hütte angekommen, war unser Abendessen bereits fast fertig.
Abgesehen davon, dass das Wetter hätte besser sein können, war es eine wahnsinnig tolle Klettertour. Alles, was wir in der letzten Zeit beim klettern gelernt hatten, mussten wir hier anwenden - drücken, ziehen, stemmen, Spreizen und eindrehen - war die Schwierigkeit der Route durch den feuchten Fels doch einen Tick schwerer als es in der Topo steht.
(Elke Ubrig)




Hoch ging es mit 4 Neulingen trotz widriger Bedingungen richtig flott

Bei Trockenheit kann man hier die Hände in die Hosentaschen stecken

Jetzt müssen wir nur noch runter

erste (Ab)seillänge

zweite (Ab)seillänge

Die stören sich nicht am Regen und schon gar nicht an uns.
Sonntag
Leider besserte sich das Wetter nicht mehr, im Gegenteil, es wurde regnerischer und kälter, der Schneegeruch lag schon in der Luft. Das hatte uns dann doch veranlasst, am Sonntag auf der Tannheimer Hütte unsere "Zelte" abzubrechen und ins Tal zu gehen. Wir fuhren nach Reute in ein Internetkaffee und schauten uns die Wettervorschau für Montag in Deutschland an - keine Wetterbesserung - so fuhren wir alle wieder nach Hause.
Mein (und Walters) persönliches Gefühl ist, wir haben wieder etwas Neues dazu gelernt, Bekanntes wiederholt und geübt und unsere Grenzen etwas verschoben.
(Elke Ubrig)

Die gute Laune lassen wir uns trotzdem nicht vermiesen. Oder sind wir etwa zum Spaß hier?

Jeder schreibt mal was

Letzte Einweisungen im "Schlaf- und Schulungsraum"
Montag
Vom heimatlichen Balkon aus präsentiert sich Stuttgart in strahlenden Sonnenschein. Man soll halt nicht so schnell aufgeben. :-( Auch wenn das Gebirge jetzt vor Wasser triefen sollte, auf der Ostalb geht bestimmt was. Gegen Nachmittag wird es endlich auch bei uns regnen..
Christian, Elke, Walter & Manuel, vielen Dank für Euer Vertrauen, Eure Umsicht bei den doch alles andere als idealen Verhältnissen und natürlich auch für die schönen Tagesberichte. Aber bei schönem Wetter lernt man nicht halb so viel. :-) Es war sehr schön mit Euch. Gemeinsame Unternehmungen mit Euch würden mich sehr freuen.
(Rainer Lampatzer)